Nachdem Gateway, Access Points und schließlich auch die Switches zunehmend auf UniFi umgestellt worden waren, stand als nächster Schritt das Backbone des Heimnetzwerks an. Zwischen dem zentralen Netzwerkschrank im Keller und den verschiedenen Unterverteilungen waren bereits Glasfaserverbindungen vorhanden. Dadurch war die grundlegende Infrastruktur für höhere Übertragungsraten bereits vorhanden. Die nächste Ausbaustufe lag deshalb nahe: 10 Gigabit Ethernet für die zentralen Verbindungen im Netzwerk.
Was ist eigentlich das Netzwerk-Backbone?
Als Backbone bezeichnet man vereinfacht gesagt die besonders leistungsfähigen Hauptverbindungen eines Netzwerks.
In meinem Fall befindet sich der Hauptverteiler im Keller. Von dort führen Verbindungen zu den Unterverteilungen. An diesen Unterverteilungen hängen wiederum verschiedene Endgeräte, Access Points, Kameras und Netzwerkanschlüsse. Damit kann über eine einzelne Verbindung zwischen Unterverteiler und Hauptverteiler gleichzeitig der Datenverkehr vieler Geräte laufen. Genau hier liegt der Unterschied zu einem normalen Netzwerkanschluss eines einzelnen PCs.
Warum 10 Gbit/s, wenn die meisten Geräte nur 1 Gbit/s können?
Ein einzelner Computer benötigt im Alltag nur selten mehr als eine Gigabit-Verbindung. Bei einem Backbone sieht das anders aus. Angenommen, an einem Unterverteiler befinden sich mehrere Computer, Access Points, Kameras und andere Geräte. Deren Datenverkehr muss sich gemeinsam die Verbindung zum Hauptverteiler teilen.
Bei einem 1-Gbit-Uplink steht für alle diese Geräte zusammen maximal ungefähr 1 Gbit/s zur Verfügung.
Mit einem 10-Gbit-Uplink erhöht sich diese Kapazität erheblich.
Das bedeutet nicht, dass plötzlich jedes angeschlossene Gerät mit 10 Gbit/s kommuniziert. Ein Gerät mit einem Gigabit-Netzwerkanschluss bleibt weiterhin auf 1 Gbit/s begrenzt. Mehrere Geräte können ihre Verbindungen aber gleichzeitig wesentlich besser ausnutzen, ohne dass der Uplink zwischen den Switches sofort zum Flaschenhals wird.
Glasfaser als Verbindung zwischen den Verteilern
Für die Verbindungen zwischen den Netzwerkverteilern kommt Glasfaser zum Einsatz. Gerade für solche Backbone-Verbindungen bietet Glasfaser einige Vorteile. Neben den hohen möglichen Übertragungsgeschwindigkeiten spielt auch die elektrische Trennung eine Rolle. Zwischen den Geräten besteht keine leitende Kupferverbindung. Außerdem lassen sich über Glasfaser auch größere Entfernungen problemlos überbrücken und spätere Geschwindigkeitssteigerungen sind häufig möglich, ohne die bereits verlegten Fasern austauschen zu müssen.
Die Glasfaserverbindungen zu den Switches in den Unterverteilungen hatte ich bereits von Anfang an vorgesehen und entsprechend verlegt. Zu Beginn liefen diese Verbindungen allerdings noch mit 1 Gbit/s.
Mit dem späteren Austausch auf UniFi-Switches änderte sich das. Die neuen Switches unterstützten 10-Gbit/s-Uplinks, sodass an der bestehenden Glasfaserverkabelung selbst nichts geändert werden musste. Es reichte aus, die bisherigen SFP-Module gegen passende SFP+-Module für 10 Gbit/s auszutauschen.
Ein zentraler Aggregation Switch
Im Hauptverteiler kam zusätzlich ein UniFi Switch Aggregation zum Einsatz. Ein Aggregation Switch ist im Prinzip ein Switch, der speziell für schnelle Verbindungen zwischen anderen Switches, Servern oder leistungsfähigen Netzwerkgeräten eingesetzt wird. Der UniFi Switch Aggregation verfügt über acht SFP+-Anschlüsse mit jeweils bis zu 10 Gbit/s. Damit eignet er sich gut als zentraler Punkt für mehrere schnelle Glasfaserverbindungen, er bildet damit gewissermaßen den schnellen Kern des internen Netzwerks.
SFP+ statt klassischem RJ45
Bei 10-Gigabit-Verbindungen kommt häufig SFP+ zum Einsatz. SFP+ ist kein fest definierter Kabelanschluss wie RJ45. Stattdessen wird ein passendes Transceiver-Modul in den Switch eingesetzt. Je nach benötigter Verbindung können darin beispielsweise Glasfasermodule oder auch DAC-Kabel verwendet werden.
Für Glasfaser wird auf beiden Seiten der Verbindung jeweils ein passendes SFP+-Modul eingesetzt. Diese wandeln die elektrischen Signale des Switches in optische Signale für die Glasfaser um und auf der Gegenseite wieder zurück.
Dadurch lässt sich die Technik relativ flexibel an die vorhandene Verkabelung anpassen.
Wo bringt 10 Gbit/s tatsächlich etwas?
Besonders interessant wird das schnellere Backbone bei großen Datenübertragungen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Zugriffe auf einen zentralen Server oder ein NAS
- große Dateiübertragungen
- Backups
- mehrere gleichzeitige Netzwerkzugriffe
- Streaming mehrerer Medien
- Datenverkehr mehrerer Access Points
- Kamerastreams
- virtuelle Maschinen oder andere Serverdienste
Gerade ein zentraler Server kann von einer schnelleren Netzwerkanbindung profitieren, weil viele unterschiedliche Geräte gleichzeitig darauf zugreifen. Das Ziel besteht deshalb nicht darin, jeden Fernseher, jede Kamera oder jedes Smartphone mit 10 Gbit/s anzubinden. Viel wichtiger ist, dass die zentralen Verkehrswege des Netzwerks genügend Reserven für die Zukunft besitzen.
Mehr Bandbreite dort, wo sie gebraucht wird
Genau das war der Gedanke hinter dem Upgrade. Normale Endgeräte können weiterhin mit 1 Gbit/s oder – je nach Gerät – mit höheren Geschwindigkeiten angebunden werden. Zwischen den zentralen Komponenten des Netzwerks steht dagegen deutlich mehr Bandbreite zur Verfügung.
Damit entsteht eine Art Hierarchie: Endgeräte → Access-Switches → 10-Gbit-Backbone → zentraler Netzwerkkern
Dieses Prinzip findet sich auch in wesentlich größeren Unternehmensnetzwerken wieder – dort natürlich in anderen Dimensionen.
Für ein Heimnetzwerk sind 10 Gbit/s sicherlich nicht zwingend notwendig. Wenn allerdings bereits mehrere Netzwerkverteiler, ein zentraler Server, zahlreiche Access Points und weitere Netzwerkgeräte vorhanden sind, schafft ein schneller Backbone zusätzliche Reserven und verhindert Engpässe an zentralen Stellen.
Die Infrastruktur wächst mit
Mit dem 10-Gbit-Upgrade war damit auch die Verbindung zwischen den verschiedenen Bereichen des Hauses für zukünftige Anforderungen gut aufgestellt.
Besonders praktisch war dabei, dass ich gleich auf Glasfaserverkabelung gesetzt habe. Statt neue Leitungen durchs Haus ziehen zu müssen, konnten hauptsächlich die aktiven Netzwerkkomponenten auf die höhere Geschwindigkeit umgestellt werden.
Das zeigt gleichzeitig einen der Vorteile einer vorausschauenden Netzwerkverkabelung: Die Anforderungen an die Geschwindigkeit ändern sich mit der Zeit – eine einmal sinnvoll verlegte Infrastruktur kann dagegen viele Jahre genutzt werden.
Nach Gateway, Switches und Backbone fehlt in dieser Serie nun noch ein wesentlicher Bestandteil des Netzwerks:
Weiter geht es im nächsten Beitrag:
Sechs Access Points – WLAN-Abdeckung im ganzen Haus
