Ein wichtiger Grund für meinen Wechsel zu Unraid war die flexible Speicherverwaltung. Anders als bei einem klassischen RAID bleiben die einzelnen Datenfestplatten grundsätzlich eigenständige Laufwerke. Dateien werden also nicht zwingend über mehrere Festplatten verteilt, sondern liegen jeweils vollständig auf einem Laufwerk.
Nach außen merkt man davon wenig. Über sogenannte Shares stellt Unraid die Daten trotzdem als gemeinsame Netzwerkordner bereit. Ein Ordner wie „Dokumente“ kann sich also über mehrere Festplatten erstrecken, obwohl im Netzwerk nur ein gemeinsamer Share sichtbar ist.
Unterschiedlich große Festplatten
Ein großer Vorteil ist, dass sich Festplatten unterschiedlicher Größe relativ flexibel miteinander kombinieren lassen. Neue Laufwerke können später ergänzt oder einzelne Festplatten gegen größere Modelle ausgetauscht werden.
Wichtig ist dabei lediglich, dass keine Datenfestplatte größer sein darf als die eingesetzte Parity-Festplatte.
Gerade bei einem Server, der über Jahre wächst, ist das deutlich flexibler als viele klassische RAID-Konfigurationen.
Parity statt klassischem RAID
Unraid verwendet eine oder optional zwei Parity-Festplatten. Auf diesen liegen keine normalen Dateien, sondern Paritätsinformationen, mit denen sich die Daten eines ausgefallenen Laufwerks rekonstruieren lassen.
Mit einer Parity-Festplatte kann ein ausgefallenes Datenlaufwerk ersetzt werden, mit Dual Parity entsprechend zwei gleichzeitig ausgefallene Laufwerke.
Auch hier gilt allerdings: Parity ist kein Backup. Sie schützt vor einem Laufwerksausfall, nicht aber vor versehentlich gelöschten Dateien, Schadsoftware, Dateikorruption oder dem Verlust des gesamten Servers.
SSDs für Geschwindigkeit
Für schnelle Zugriffe nutzt Unraid separate SSD- beziehungsweise NVMe-Pools. Diese eignen sich besonders für Docker-Container, virtuelle Maschinen, Datenbanken und andere Anwendungen mit vielen kleinen Zugriffen.
Auch Netzwerkdaten können zunächst auf einem schnellen SSD-Pool landen und später automatisiert auf das HDD-Array verschoben werden. Dafür verwendet Unraid den sogenannten Mover.
So lassen sich große, günstige HDD-Speicher und schnelle SSDs sinnvoll miteinander kombinieren.
Warum dieses Konzept für mich gut funktioniert
Vereinfacht übernimmt bei meinem Server jede Speicherart eine andere Aufgabe:
HDD-Array
→ große Datenmengen und langfristige Speicherung
Parity
→ Schutz vor dem Ausfall einzelner Laufwerke
SSD-Pools
→ schnelle Anwendungen und häufig verwendete Daten
Shares
→ gemeinsame Netzwerkordner über mehrere Laufwerke hinweg
Genau diese Kombination macht Unraid für mich interessant: Der Speicher lässt sich flexibel erweitern, große Datenmengen bleiben vergleichsweise günstig und schnelle Anwendungen können trotzdem auf SSDs laufen.
Im nächsten Teil geht es deshalb weg vom Speicher und hin zu den eigentlichen Diensten:
Docker auf Unraid – welche Anwendungen auf meinem Homeserver laufen und wofür ich sie nutze.
