Mein QNAP TS-453Be war viele Jahre lang ein wichtiger Bestandteil meines Heimnetzwerks. Ursprünglich als zentraler Datenspeicher angeschafft, übernahm es mit der Zeit immer mehr Aufgaben.
Neben der klassischen Dateiablage kamen Dienste wie Plex, Synchronisation, Backups und weitere Anwendungen hinzu. Durch die Möglichkeit, zusätzliche Apps zu installieren und das NAS später sogar mit SSDs zu erweitern, ließ sich das System lange sinnvoll ausbauen.
Irgendwann war allerdings der Punkt erreicht, an dem ein klassisches Fertig-NAS nicht mehr zu den Anforderungen passte.
Wenn aus einem NAS ein Server wird
Der ursprüngliche Einsatzzweck war vergleichsweise einfach:
Daten zentral speichern, von mehreren Geräten darauf zugreifen und einen gewissen Schutz vor Festplattenausfällen erhalten.
Mit der Zeit änderten sich die Anforderungen jedoch deutlich. Neben der reinen Datenspeicherung sollten immer mehr Dienste dauerhaft verfügbar sein. Medienserver, private Cloud, Fotoverwaltung, Netzwerkdienste, Downloads, virtuelle Maschinen und verschiedene Test- und Entwicklungsumgebungen benötigten zunehmend mehr Rechenleistung und Flexibilität.
Damit war aus der ursprünglichen Anforderung „Ich brauche ein NAS“ irgendwann eher die Frage geworden:
Brauche ich überhaupt noch ein klassisches NAS – oder eigentlich einen Homeserver?
Die Grenzen des QNAP
Das QNAP TS-453Be erfüllte seinen Zweck über lange Zeit zuverlässig.
Trotzdem wurden die Grenzen eines kompakten Fertig-NAS mit zunehmender Nutzung immer deutlicher.
Die Rechenleistung war begrenzt, der Arbeitsspeicher ließ sich nur innerhalb eines gewissen Rahmens erweitern und bei zusätzlichen Anwendungen musste zunehmend darauf geachtet werden, welche Ressourcen noch zur Verfügung standen.
Auch Erweiterungen waren zwar möglich, aber letztlich immer an die vorhandene Hardwareplattform gebunden.
Der nachgerüstete SSD-Cache hatte dem System noch einmal spürbar mehr Geschwindigkeit gebracht. An der grundsätzlichen Leistungsgrenze des Geräts änderte das jedoch nichts.
Vor allem der Wunsch nach mehr Docker-Containern, virtuellen Maschinen und leistungsfähigeren Anwendungen sprach irgendwann für eine andere Plattform.
Wieder ein Fertig-NAS?
Natürlich hätte man das QNAP einfach durch ein größeres und leistungsfähigeres NAS ersetzen können.
Damit wäre allerdings ein Teil des ursprünglichen Problems nur verschoben worden. Leistungsfähigere NAS-Systeme mit stärkerem Prozessor, mehr Arbeitsspeicher und entsprechenden Erweiterungsmöglichkeiten sind schnell relativ teuer. Gleichzeitig bleibt man weiterhin an die jeweilige Hardwareplattform und teilweise auch an die vorgesehenen Erweiterungsmöglichkeiten des Herstellers gebunden.
Diesmal sollte das System deshalb von Anfang an flexibler aufgebaut werden.
Welches System sollte es werden?
Nachdem feststand, dass das nächste System kein klassisches Fertig-NAS mehr werden sollte, war die Softwareplattform zunächst noch offen. In der engeren Auswahl standen vor allem TrueNAS, Proxmox und Unraid.
Alle drei Systeme verfolgen unterschiedliche Schwerpunkte:
- TrueNAS ist sehr stark auf Storage, ZFS und Datenintegrität ausgerichtet.
- Proxmox ist in erster Linie eine Virtualisierungsplattform für virtuelle Maschinen und Container.
- Unraid verbindet Netzwerkspeicher, Docker und Virtualisierung in einer vergleichsweise einfach zu verwaltenden Oberfläche.
TrueNAS war vor allem wegen ZFS und der professionellen Speicherfunktionen interessant. Gleichzeitig erschien mir die Speichererweiterung dort weniger flexibel für meinen geplanten Einsatzzweck, insbesondere weil ich vorhandene und unterschiedlich große Festplatten möglichst lange weiterverwenden wollte.
Proxmox war ebenfalls eine ernsthafte Option. Für virtuelle Maschinen und Container ist es eine sehr leistungsfähige Plattform. Der Schwerpunkt liegt allerdings deutlich stärker auf Virtualisierung als auf der komfortablen Verwaltung eines klassischen NAS mit unterschiedlich großen Datenträgern.
Unraid stellte für meinen Einsatzzweck letztlich den interessantesten Mittelweg dar.
Ich wollte weiterhin einen zentralen Dateiserver betreiben, gleichzeitig aber deutlich mehr Docker-Container und bei Bedarf virtuelle Maschinen nutzen können. Außerdem sollte sich der Speicher möglichst unkompliziert erweitern lassen, ohne bei jeder Erweiterung einen kompletten RAID-Verbund neu planen zu müssen.
Aus dieser Kombination fiel die Entscheidung schließlich auf Unraid.
Warum Unraid?
Unraid kombiniert mehrere Funktionen, die für meinen Einsatzzweck interessant waren. Zum einen dient das System weiterhin als zentraler Netzwerkspeicher.
Im Gegensatz zu vielen klassischen RAID-Konfigurationen können dabei unterschiedlich große Festplatten relativ flexibel miteinander kombiniert werden. Eine oder mehrere Parity-Festplatten dienen zur Absicherung gegen den Ausfall von Datenlaufwerken.
Gleichzeitig bietet Unraid eine integrierte Plattform für:
- Docker-Container
- virtuelle Maschinen
- Netzwerkfreigaben
- SSD- beziehungsweise Cache-Pools
- unterschiedliche Datenträgergrößen
- flexible Erweiterung des Speichers
Damit war genau die Kombination möglich, die ich gesucht hatte: NAS und Server auf einer gemeinsamen Hardwareplattform.
Speicher flexibel erweitern
Ein wichtiger Punkt war für mich die flexible Speicherverwaltung. Bei klassischen RAID-Systemen müssen Erweiterungen häufig relativ genau geplant werden. Je nach RAID-Level sind gleiche oder zumindest ähnlich große Laufwerke sinnvoll beziehungsweise erforderlich.
Unraid verfolgt einen anderen Ansatz. Die Dateien liegen grundsätzlich auf einzelnen Datenlaufwerken. Die Parity-Festplatte enthält zusätzliche Informationen, mit denen beim Ausfall eines Laufwerks dessen Daten rekonstruiert werden können. Dadurch lassen sich Laufwerke unterschiedlicher Größe wesentlich einfacher kombinieren und später einzeln gegen größere Modelle austauschen. Gerade bei einem System, das über viele Jahre wachsen soll, ist das ein großer Vorteil.
Auch hier gilt allerdings:
Parity ist kein Backup. Sie schützt vor einem Laufwerksausfall, aber nicht vor versehentlich gelöschten Dateien, Schadsoftware oder einem Defekt beziehungsweise Verlust des gesamten Servers.
Mehr als nur Dateispeicher
Der größte Unterschied zum bisherigen QNAP zeigte sich allerdings bei den zusätzlichen Diensten.
Docker ist bei Unraid direkt in die Oberfläche integriert. Dadurch lassen sich unterschiedlichste Anwendungen voneinander getrennt als Container betreiben.
Inzwischen laufen auf dem Server unter anderem Dienste für:
- Medienstreaming
- Fotoverwaltung
- private Cloud
- E-Books
- Netzwerkdienste
- Reverse Proxy
- Virenschutz
- Downloads
- Gameserver
- Entwicklungs- und Testumgebungen
Hinzu kommen virtuelle Maschinen für Aufgaben, die sich nicht sinnvoll als Docker-Container abbilden lassen.
Damit ist der Server heute deutlich mehr als ein Netzwerkspeicher.
Die Hardware darf mitwachsen
Ein weiterer Vorteil eines selbst aufgebauten Servers ist die Möglichkeit, einzelne Komponenten unabhängig voneinander auszutauschen.
Der Server basiert auf einem ASRock Z690 PG Riptide und ist inzwischen mit einem Intel Core i5-14500T, 32 GB DDR4-Arbeitsspeicher und einer NVIDIA T1000 mit 8 GB Grafikspeicher ausgestattet.
Ursprünglich kam noch ein Intel Core i3-12100T zum Einsatz. Als die Anforderungen stiegen, konnte lediglich der Prozessor ausgetauscht werden, ohne das komplette System ersetzen zu müssen. Auch Erweiterungskarten, zusätzliche Datenträger oder eine schnellere Netzwerkanbindung lassen sich bei Bedarf nachrüsten.
Die Stromversorgung übernimmt ein 450-Watt-Netzteil. Gerade diese Aufrüstbarkeit war einer der Punkte, die beim Wechsel vom Fertig-NAS zu einem selbst aufgebauten System wichtig waren.
10 Gbit/s für den Server
Mit zunehmender Leistung des Servers sollte auch das Netzwerk nicht zum Flaschenhals werden. Deshalb erhielt das System eine 10-Gbit-Netzwerkkarte und wurde direkt per Glasfaser mit dem UniFi Aggregation Switch im zentralen Netzwerkschrank verbunden. Dadurch steht dem Server eine schnelle Verbindung zum 10-Gbit-Backbone des Heimnetzwerks zur Verfügung.
Gerade bei großen Dateiübertragungen, Backups oder mehreren gleichzeitigen Zugriffen macht sich diese Anbindung deutlich bemerkbar.
Vom NAS zur zentralen Serverplattform
Rückblickend war der Wechsel vom QNAP zum Unraid-Server weniger ein einfacher Austausch eines NAS gegen ein anderes System. Vielmehr hat sich der Einsatzzweck grundsätzlich verändert.
Das QNAP war ursprünglich ein Netzwerkspeicher, der mit der Zeit immer mehr Serveraufgaben übernehmen musste. Der Unraid-Server wurde dagegen von Anfang an als Plattform geplant, die sowohl Speicher als auch Anwendungen und Virtualisierung bereitstellen kann.
Damit ist das System heute ein zentraler Bestandteil meines Heimnetzwerks. In den nächsten Beiträgen möchte ich deshalb genauer darauf eingehen, wie der Server aufgebaut ist und welche Aufgaben er übernimmt.
Weiter geht es mit:
Mein Unraid-Server 2026 – Hardware, Speicher und Aufbau
